Rund zwei Jahre nachdem uns die Programmierer vom Entwicklerstudio "Visceral" in Form von Ingenieur Isaac auf das alienverseuchte Raumschiff "Ishimura" schickten, dürfen sich gruselwillige Konsolenspieler wieder über Nachschub aus dem Deadspace Universum freuen. Der Handlungsrahmen ist dabei relativ schnell abgesteckt: nachdem unser Protagonist die Geschehnisse des ersten Teils (knapp) überlebt hat, muss er sich erneut durch Horden von Nekromorphs kämpfen. Der Schauplatz der Handlung beginnt und spielt größtenteils in einer Raumbasis auf dem Saturn Mond Titan, wo Experimente mit dem geheimnisvollen, außerirdischen Marker vollzogen werden, der die Bevölkerung zu blutrünstigen Monstern mutieren ließ.


Unter diesen Prämissen wundert es nicht, dass sich das Gameplay am erfolgreichen Vorgänger orientiert: der Spieler kämpft sich im besten Alien Style durch die Korridore. Dabei trifft er fast ausschließlich auf alte Bekannte, denn neue Monster muss man genauso mit der Lupe suchen, wie Zugänge im (ohnehin schon umfangreichen) Waffenarsenal. Geblieben ist auch das Upgrade-System für die Ausrüstung, sowie die Shop-Terminals, wo gefundenes Geld in die persönliche Alienabwehr gesteckt werden kann (auf Deutsch: Munition, Waffen und Rüstung). Da man im Zeitalter der Navigationsgeräte anscheinend wohl keinen Orientierungssinn vom Spieler mehr erwarten darf, gestaltet sich das Leveldesign als streng linear - und als ob das noch nicht reicht, wird auf Knopfdruck sogar noch der Weg zum nächsten Ziel preisgegeben. Auch die gelegentlichen Rätsel verlangen dem Spieler nicht mehr Hirnakrobatik ab, als die Vorschule.
Und dennoch gehört das Spiel zum Besten, was man sich als Actionfreund momentan in die XBOX-Schublade legen kann: das Waffengefühl ist erstklassig und in Bezug auf die Inszenierung scheinen die Spieleprogrammierer bei Ridley Scott in die Lehre gegangen zu sein. Wenn die flackernden Neonröhren blutverschmierte Wände zum Vorschein bringen, Rauchschwaden durch die Gänge ziehen und dann auch unheilvolle Klänge von drohendem Unheil künden, bleibt kaum ein Puls im Ruhebereich. Außerdem ist es nicht selten, dass sowohl Lebensenergie als auch Munitionsanzeige am unteren Ende der Skala beheimatet sind und somit ihrerseits nochmal für Spannung sorgen. Dennoch ergibt sich ein recht guter Spielfluss, zumal auch die manuellen Speicherpunkte sinnvoll verteilt sind und vier gut abgestufte Schwierigkeitsgrade zur Verfügung stehen.
Sollte Isaac einem der zahlreichen Nekromorphs zum Opfer fallen, darf sich der Spieler nicht nur über eine äußerst blutige Inszenierung seines Versagen freuen, sondern meistens auch gleich direkt vor jener Passage nochmal sein Glück versuchen. Auf diese Weise beschränken sich Frustmomente auf die letzten Etappen, wo die Programmierer (mangels Ideen) teilweise wahre Monsterhorden auf den Spieler loslassen. Wenn einem z.B. in einem rund 25m² Lastenaufzug über zwei dutzend Aliens nach dem Leben trachten und keine Möglichkeit zur Flucht besteht, würde man die Entwickler am liebsten in Natura in jene Situation schicken.
Dass dabei mehr gescriptet wird, als beim Profi-Wrestling sei Deadspace 2 verziehen, wobei sich gewisse Abnutzungserscheinungen im Spielverlauf nicht ganz leugnen lassen. Es ist keine Seltenheit, dass durch automatisch verschlossene Türen künstlich zu mehr Spannung verholfen wird. Und auch die Tatsache, dass die Anzahl der Monster fast immer proportional zur Raumgröße steigt, macht viele Momente vorhersehbar. Gegenüber dem ersten Teil wurde aber immerhin das automatische Respawning der Gegner beim erneuten Betreten von Levelabschnitten entfernt. Meistens ist es sogar möglich, weite Teile des Levels zurückzugehen (um z.B. einen Shop aufzusuchen).
Das Nachladen der Leveldaten erfolgt stückchenweise beim Öffnen einer Tür oder während einer Aufzugfahrt, so dass man nicht durch Ladebildschirme aus der Atmosphäre entrissen wird. Die Gesundheitsanzeige wird sowohl grafisch über die Balken am Rücken der Spielerfigur visualisiert, als auch durch dessen langsamere Bewegungen und das Keuchen bei nachlassender Vitalität. Obwohl sich die permanente 3rd-Person Ansicht gut steuern und spielen lässt, ist es schade, dass keine First-Person Perspektive zur Verfügung steht.
Um Geld für die Einkaufsterminals zu bekommen, haben die Spieleentwickler beschlossen, dass man jedes erlegte Monster nochmal mit einem Fußtritt auf dem Boden zerschmettern sollte, da dann oftmals ein Bonus abfällt. Jener Vorgang wird mit meterweiten Blutfontainen sowie Splattergeräuschen begleitet. Wir meinen, dass DS2 jene billige Form der Inszenierung gar nicht nötig hat. Außerdem wird der Spieler sowieso schon mehr als ausreichend mit Gore versorgt. Laut unseren Informationen kommt die deutsche Version komplett ungeschnitten in die Läden, was somit logischerweise eine FSK18 Kategorisierung zur Folge hat. Die deutliche Gewaltdarstellung gehört derart fest zum Spielkonzept von Deadspace, dass eine Zensur automatisch fast das ganze Spiel umfassen würde.
Das Konzept der Waffenupgrades und die zunehmende Anzahl der Gegner bewirken eine Verlagerung des Gameplays im Verlauf des Spieles: der Plasmacutter war zur Hälfte des Spieles nach ca. 5 Stunden bereits voll ausgebaut und nahm an Durchschlagskraft enorm (!) zu; dafür laufen jedoch auch immer mehr Gegnermassen in unser Fadenkreuz. Speziell zum Schluss wirkt das Spiel sehr actionlastig und setzt somit auch gegenüber dem Vorgänger andere Akzente. Dies betrifft auch das Leveldesign, welches in Bezug auf Stil und Location breiter gefächert ist.
Außerdem sind einige Stellen der Raumbasis mit sehr dünnen Fenstern versehen, die bei Beschuss für ein Vakuum sorgen und den Raum leerfegen. Dies kann strategisch genauso genutzt werden, wie die Zweitfunktionen des Waffenarsenals. Die Gegnerintelligenz schwankt zwischen "nicht vorhanden" und "ansatzweise erkennbar", wobei letztgenannter Zustand nur bei einem recht seltenen Gegnertyp geboten wird. Gelegentlich suchen die Nekromorphs bei erlittenen Verletzungen das Weite, aber ein taktisch geprägtes Vorgehen (speziell in Hinblick auf die Ausnutzung der Überzahlsituation) wurde ihnen nicht eingepflanzt. In fast allen Fälle lautet das Motto daher schlichtweg "auf ihn mit Gebrüll". Auf Seiten des Spielers stehen zur Gegnerabwehr zwei Funktionen außerhalb des klassischen Waffenarsenals zur Verfügung: genau wie im ersten Teil, können Objekte per Kinese bewegt und somit als Wurfgeschuss genutzt werden. Selbst Körperteile von Nekromorphs eignen sich dafür, was der freudigen Splatterorgie die Krone aufsetzt. Des Weiteren kann mit der "Stase" Funktion die Zeit verlangsamt werden, um Gegner (oder Rätsel) in Zeitlupe zu bewältigen. Aufgelockert wird Deadspace 2 durch gelegentliche Passagen, wo die Schwerkraft und/oder die Sauerstoffversorgung außer Kraft gesetzt ist und man dementsprechend mit seinen Luftvorräten haushalten muss, bzw. durch die Gänge schweben kann. Obendrauf dürfen während einigen spielbaren Actionsequenzen in bester Hollywood-Manier, diverse Zwischengegner oder artistische Einlagen (Flug durch Weltraum Müll, Sprünge durch entgleisenden Zug etc.) vollzogen werden.
Der neu hinzugefügte Multiplayermodus ist von eher rudimentärer Natur und erlaubt ein 4-on-4 Match auf insgesamt 5 Maps. Dabei kann der Spieler auch in die Rolle der Nekromorphs schlüpfen und den Menschen den Kampf ansagen. Obwohl weitere Einstelloptionen fehlen, sorgt der MP-Modus aufgrund der guten Spielgeschwindigkeit für viel Spaß wobei, das Balancing momentan noch deutlich zugusten der Menschen ausfällt.
Die Grafik von Deadspace2 ist auf einem hochklassigen Niveau angesiedelt. Die Texturauuflösung bzw. -feinheiten setzen zwar keine absoluten Bestmarken, doch dafür punktet das Spiel in fast allen anderen Punkten. Die Levels gefallen durch ihren detaillierten Aufbau, während die Gegner sehr flüssig und abwechslungsreich animiert sind. Gegenüber dem Vorgänger sind grafisch keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen, außer der Tatsache, dass die Farbpalette minimal nach oben gerutscht ist und daher etwas mehr helle bzw. bunte Elemente zu bieten hat. Die Durchzeichnung in dunklen Bereichen ist sehr differenziert geraten. Mit einem gut kalibriertem Wiedergabegerät saufen somit nur die wenigsten Korridore auf der Raumstation ab. Die zahlreichen Special Effects wie der Rauch oder die Licht- sowie Schatteneffekte gehören zum besten in der gesamten Branche und verleihen dem Spiel nicht nur viel Atmosphäre, sondern auch Bildtiefe und Realismus. Erfreulicherweise bleibt die Framerate jederzeit absolut stabil, zumal auch größere Aliasing Artefakte mit der Lupe gesucht werden müssen. Zusammen mit der cinematographischen Inszenierung im besten Horror-Movie Stil, verwöhnt Deadspace 2 mit einer optischen Präsentation im Premium Format.
Deadspace 2 schrammt nur knapp an einer perfekten Wertung vorbei: wäre die Klangkulisse noch etwas hochauflösender und frei von gelegentlichen Aussetzern (Knacken), müsste man eigentlich eine 100% Wertung vergeben. Seine hervorragende Akustik hat das Spiel hauptsächlich zwei Aspekten zu verdanken: 1.) es verfügt über einen exzellenten Score, der das Leinwandgeschehen perfekt unterstreicht, ohne sich in den Vordergrund zu stellen 2.) das Surroundarrangement verfügt über eine hohe Effektdiche mit makelloser (!) räumlicher Abmischung. Die Programmierer haben eine perfekte Balance zwischen Front- und Rearspeakern realisiert, so dass ein authentisch wirkendes Räumlichkeitsgefühl geboten wird. Die zahlreichen Effekte werden dabei punktgenau platziert, so dass man sich fast schon mit geschlossenen Augen durch die Gänge bewegen könnte. Auch die akustische Lokalisation von Gegnern ist bei diesem Spiel in einer bislang nicht gebotenen Exaktheit möglich. Die wenigen Dialoge glänzen durch eine gute sowie differenzierte Sprachabmischung. Tiefbassintensität sowie Grobdynamik gehören ebenfalls in die Spitzenklasse.
Ja - Deadspace 2 ist im Grunde nur ein Abklatsch des ersten Teiles und bietet keine großen spielerischen Neuerungen. Der hinzugefügte Multiplayermodus ist zwar ganz nett, wirkt aber aufgrund seines geringen Umfangs eher wie ein Proforma-Feature, damit EA wenigstens den Anschein einer Weiterentwicklung hegen kann. Mir persönlich wären zwar ein paar Verbesserungen im SP-Modus (z.B. mehr neue Gegner/Waffen, längere Story, First-Person Ansicht) lieber gewesen, doch insgesamt hat mir auch Teil 2 exzellent gefallen. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich den Vorgänger bei Heimkino-Vorführungen gerne benutzt habe, um die erreichbare Intensität moderner Unterhaltungselektronik zu demonstrieren. Und genau an diesem Punkt knüpft auch Teil 2 wieder an: wenn ich im komplett dunklen Heimkino auf 3,5 Meter Bildbreite mit 7.1 Surroundsound zocke, gibt es momentan kein anderes Game mit einer vergleichbaren Atmosphäre! Da auch die (angenehm) konventionelle Spielmechanik viel Spaß bereitet, sind die beiden Discs momentan nicht aus meiner XBOX wegzudenken. Die Verlagerung der Handlung auf eine verlassene Raumstation inkl. Levels in Kindergärten, Wohn- und Shopping Vierteln, sorgt gegenüber dem Vorgänger für eine etwas buntere Umgebung, die mich ein wenig an Bio- bzw. Systemshock erinnert. Mir persönlich hat die düstere/trostlosere Location auf der ISS Ishimuira (Teil1) jedoch noch etwas besser gefallen. Fazit: Trotz fehlender Weiterentwicklung und etwas anderem Leveldesign gehört Deadspace2 zu den besten Shootern des Genres - diese Kategorisierung hat es vor allem seinen technischen Aspekten zu verdanken, die für ein hohes Maß an Gänsehaut-Feeling sorgen.
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