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Filmkritik: Twilight - Bis(s) zum Abendrot Teil 1

  • Vampir 2.0

    Bevor sich die US-Filmgesellschaft Coryworle die Filmrechte an den Twilight-Büchern sicherte, war die cineastische Vampirwelt noch in Ordnung: die Blutsauger gingen regelmäßig auf Suche nach potentiellen Opfern, als Residenzen dienten mittelalterliche Burgen genauso wie diverse Friedhöfe und für gewöhnlich hegten sie alle eine tiefverwurzelte Abneigung gegen Knoblauch und Sonnenlicht.

    Mit dem Erscheinen von "Bis(s) zum Morgengrauen" ist eine neue Generation von Untoten unterwegs. Die Vampirfamilie Cullen ist vermögend, gebildet und ernährt sich vorwiegend vegatarisch. Außerdem ist Edward, einer ihrer Sprösse, sehr empfänglich für Liebesgefühle zur normalsterblichen Mitschülerin Isabella. Auf dieser Grundlage langweilten bereits verschiedene Regisseure das Kinopublikum mit der Verfilmung der ersten drei Bücher. Die extrem große Akzeptanz innerhalb der Zielgruppe der jungen weiblichen Kinobesucher bescherte sämtlichen Filmen derart viel Erfolg, dass die "Twilight" Serie inzwischen sogar als pop-kulturelles Phänomen anzusehen ist.

    Der jüngst als Blu-Ray veröffentlichte vierte Teil spinnt die Geschichte rund um Isabella, Edward und seinem hartnäckig-verliebten Werwolf-Nebenbuhler Jacob weiter. Als Ausgangspunkt dient die Hochzeit zwischen den beiden Hauptprotagonisten mitsamt anschließenden Flitterwochen in Brasilien. Doch fernab der Heimat vom verregneten Forks (US-Bundesstaat Washington) stösst das frisch vermählte ungleiche Paar auf ein existenzielles Problem, zu dessen Lösung sie nicht nur ihre eigenen Familien, sondern auch Jacob benötigen.

Der Anfang vom Ende

Twilight - Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 1 - erzählt die erste Hälfte des finalen Buches. Dabei erweist sich der Film (nach einer schleppenden ersten halben Stunde) als überraschend kurzweilig und stellt die Gefühlsduselei (ein wenig) in den Hintergrund. Oscar-Prämierungen durfte es für die Darsteller dabei trotzdem nicht regnen: Kristen Stewart (alias Isabella) kommt wieder einmal nicht über ihren Schlafzimmerblick heraus - und zeigt sich derart prüde, dass den Zuschauern nicht einmal in ihrer Hochzeitsnacht ein kurzer Blick auf ihre weiblichen Regionen vergönnt ist. Dies wäre jedoch ein dringend benötigter Ausgleich gewesen, um zum Einen die hölzerne Darbietung von Robert Pattinson (Edward), aber auch die Oben-ohne Show von Muskelpaket Taylor Lautner (Jacob) auszugleichen.

Der größte Reiz dieser Produktion liegt im recht temporeichen Erzählstil nach dem ersten Filmdrittel in Verbindung mit einem passenden Maß an Emotion und Dramatik. Interessanterweise funktioniert Twilight 4.1 auch als eigenständiger Film überraschend anständig - es ist zwar hilfreich, die Vorgeschichten zu kennen - man kann die Handlung aber auch gänzlich ohne Twilight-Erfahrung gut nachvollziehen. Auch das Filmende ist in sich stark abgeschlossen und wirkt deutlich weniger als Opener zum eigentlichen Finale, wie dies z.B. bei Harry Potter 7.1 der Fall war.

In technischer Hinsicht dürfen sich Vampire und Werwölfe über eine hochwertige Präsentation freuen: der Bildqualität fehlt zwar das letzte bißchen an Schärfe und Durchzeichnung, um als absolut hochklassig zu gelten, doch insgesamt gibt es wenig zu bemängeln. Kompressionsartefakte sind genauso wenig zu beobachten, wie Banding oder eine schlechte Balance in dunklen Bildbereichen. Die visuelle Umsetzung ist in Bezug auf die Farbdarstellung recht deutlich vom Visual-Grading geprägt - speziell Szenen in der zweiten Filmhälfte weisen einen steilen Kontrast mit leichter Blautönung auf. Warme Farben sind hingegen recht selten zu sehen.

Die hervorragende Akustik von Twilight 4.1 eignet sich bestens, um hochwertige Heimkino-Systeme zu Bestleistungen anzutreiben. Dabei sind es jedoch weniger die actionbezogenen Szenen, in denen der Film seine Glanzpunkte setzt. Ähnlich wie z.B. "Krabat" baut dieser Film auf der akustischen Ebene sehr viel Emotionen auf. Dies liegt hauptsächlich an der Kombination aus räumlich integrierter Musik, die sich dezent und trotzdem feingliedrig in die Gesamtwiedergabe einfügt, und der exzellenten, gefühlvollen Sprachwiedergabe. Speziell diesanft geflüsterten Äußerungen von Bella zehren von einer ausgezeichneten Feinauflösung und hohem Sprachvolumen. In Bezug auf die Umgebungsgeräusche hätten die Wälder von Forks sicherlich noch ein wenig mehr Potential geboten, dafür punkten die (seltenen) Subwoofer-Effekte durch Präzision und Dynamik. Während Szenen, in denen die Darsteller mal nicht damit beschäftigt sind, sich gegenseitig Taschentücher zu reichen oder über ihre Gefühlswelt zu sinnieren, ist eine verstärkte Aktivität auf den Rearspeakern zu vermelden. Extrem prägnante bidirektionale Splitsurroundeffekte sind dabei zwar nicht zu vermelden, doch dafür punktet Twilight durch einige langsame Effektschwenks zwischen den Lautsprechern, die bei einem gut ausbalanciertem System sehr sphärisch wirken.

Fazit

Twilight 4.1 ist besser als viele Kritiken und die Vorgänger vermuten ließen, stellt aber trotzdem keine Empfehlung für Jedermann dar. Interessanterweise "funktioniert" er auch ohne die Vorgängerfilme. Technisch positioniert sich dieser Film auf gutem Niveau und besitzt besonders akustisch seine Reize.