Spartacus erzählt den Leidensweg eines thrakischen Mannes, dessen Frau von römischen Legionären verschleppt und versklavt wurde, während er sich selbst in einer Arena wiederfindet und von Gladiatoren exekutiert werden soll. Doch sein Kampfgeschick und die Sehnsucht nach seiner Frau verleihen ihm ungeahnte Kräfte, die ihn nicht nur überleben lassen, sondern auch eine "Adoption" durch ein Gladiatorenhaus einbringen. Dessen Meister sieht in dem unbeugsamen, wilden Thraker DIE Gelegenheit, seinen Ruf und damit auch seine gesellschaftliche Stellung in höhere Sphären zu katapultieren, während Spartacus mit seinen Gedanken einzig bei seiner Frau ist und deswegen großen Anfeindungen seiner ehrbaren Gladiatorenbrüder ausgesetzt ist. Im Verlauf der dreizehn 50 minütigen Episoden verfolgt der Zuschauer nicht nur die Entwicklung von Spartacus auf - und neben - den Schlachtfeldern, sondern stellt auch die Intrigen und Entwicklungen innerhalb der höheren Schichten in den Fokus, wo der Gladiatorenmeister Batiatus vor keinem Mittel zurückschreckt, um sein unstillbares Verlangen nach Reichtum und Ruhm zu befriedigen.
Was sich für Manche vielleicht nach einer historischen Telenovela anhört, entpuppt sich als tempo- und actionreiche Premium-Unterhaltung. Co-Produzent Sam Raimi (Spiderman 1-3, Tanz der Teufel etc.) liefert mit seinem Team ein bildgewaltigtes Spektakel ab: die FX-Abteilung verwendete mehr Kunstblut und -gedärme, als ganz Hollywood im Jahr braucht - und auch die zahlreichen Sex-Szenen (im Gegensatz zur Gewaltdarstellung übrigens ausgesprochen stilvoll gehalten) sorgen dafür, dass "Spartacus" eine erfrischend raue und direkte Wirkung entfaltet - zumindest dann, wenn man sich der zahlreichen Alternativen zur offiziellen deutschen Version bedient, die insgesamt rund 25 Minuten gekürzt ist.
Wie für moderne Premium Serienproduktionen im 1080p24 Format mittlerweile üblich, dürfen sich Heimkinofreunde über eine exzellente Bildqualität freuen. Ähnlich wie bei Prison Break, Lost oder Game of Thrones, liegt auch hier eine permanent hohe Bildschärfe vor, die ein Großteil der aktuellen Spielfilme überflügelt. Viele Szenen von Spartacus wurden vor Greenscreen-Kulissen gedreht und von gerenderten Hintergründen ergänzt. Zusammen mit einer sehr warmen, gelb/braun betonten Farbgebung ergibt sich ein ähnlich surreal anmutender Stil wie bei "300". In technischer Hinsicht kann man Spartacus lediglich vorwerfen, dass a.) wenig visuelle Abwechslung geboten wird (man hat den Eindruck, es gäbe nur eine handvoll Locations) und b.) dass einige Kulissen/Hintergründe ihre CGI-Herkunft nicht ganz leugnen können. Während Portraitaufnahmen im Gladiatorenhaus verwiegend referenzwürdig auf der Leinwand erstrahlen und dabei auch eine gute Kontrast- und Helligkeitsabstufung aufweisen, leiden einige der herausragend choreografierten Kämpfe unter minimaler Überbelichtung sowie etwas künstlich wirkendem Lichteinfall. Sehr gut hat uns der Umstand gefallen, dass auf die, in Mode gekommene, "Wackelkamera" verzichtet wurde und stattdessen zahlreiche atemberaubende Slow-Motion Kameraschwenks im besten John-Woo Stil zu bestaunen sind. Deswegen hieven wir die Bildwertung letztendlich auf ein knappes "sehr gut", obwohl es durchaus auch kleinere technische Kritikpunkte gibt.
Spartacus und Co. kommen mit einer exzellenten Syncronisation in unsere Heimkinos und entlocken (guten) Centerspeakern nicht nur ein großes Maß an Feinzeichnung und Sprachvolumen, sondern auch Feindynamik. Der Score ist hervorragend eingeflochten und wird im Vergleich zu anderen Serien weniger bewusst wahrgenommen, unterstreicht das Geschehen jedoch hervorragend. Dies erfolgt durch eine intensive Nutzung sphärisch eingeflochtener Klänge, die eine gute Auflösung aufweisen und in jeder Episode ein weitaufgespanntes Surroundpanorama hoher Qualität generieren. Zur dramaturgischen Steigerung bedienen sich die Sound-Designer gerne auch diversen Paukenschlägen, die gelegentlich auch den Weg zum LFE-Kanal finden. Punktabzüge gibt es hingegen für die dezenten Umgebungsgeräusche - hier würde man sich ein paar zusätzliche Tonspuren wünschen, um der Produktion mehr akustische Tiefe zu verleihen. Teilweise erlangt man hier den Eindruck einer etwas zu sterilen Umgebung. Auch aus den Kämpfen könnte man deutlich mehr machen - besonders auch in Bezug auf die Grobdynamik.
Die Meuchelrate bei "Spartacus" würde selbst Jack Bauer zur Ehre gereichen - doch trotz der exzessiven Gewalt (und Sexdarstellung) verliert sich diese Produktion niemals in Oberflächlichkeiten. Die Charaktere sind zwar nicht ganz so detailliert ausgearbeitet, wie bei "Game of Thrones" und auch die Story erreicht kein vergleichbares Maß an Komplexität und Spannung; doch die einzigartige Mischung aus leichter Zugänglichkeit, authentisch gespielten Charakteren und bildgewaltiger Darstellung unterhält bestens. Die Dialoge mögen zwar weder zahlreich oder erschöpfend sein, doch ist deren sprachliche Ausgestaltung ebenfalls sehr bidlhaft und grenzt teilweise schon an Poesie! Außerdem sorgt die straffe Erzählweise ohne quälende Nebenplots für Tempo und wird von einer guten technischen Umsetzung flankiert. Der einzige große Wehrmutstropfen an dieser exzellenten Serie liegt ganz klar in dem bedauernswerten Umstand, dass der Hauptdarsteller Andy Whitfield während der Dreharbeiten zur zweiten Staffel an Krebs verstorben ist. Mit seiner Darstellung des Spartacus hinterlässt er der Welt ein glorreiches Andenken seiner selbst und wird von Filmliebhabern schmerzlich vermisst werden.
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