Fünf Jahre nachdem Tom Cruise alias Ethan Hunt in "MI-3" die Welt vor einem tödlichen Virus bewahrt hat, schickt Kult-Regisseur JJ. Abrams den Geheimagenten erneut auf die (Heim)Kinoleinwände. Unter der Federführung des Regisseurs Brad Bird müssen sich die Mitglieder der Mission Impossible Force mit Terroristen auseinandersetzen, die einen menschheitsvernichtenden Atomkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Russland zum Ziel haben. Angesichts der angespannten Lage ist die US Regierung gezwungen, dass Phantom Protokoll auszurufen, so dass das Team rund um Ethan Hunt ohne jegliche offizielle Rückendeckung auf sich allein gestellt ist. Die Hetzjagd quer durch die halbe östliche Hemisphäre führt die Geheimagenten nicht nur nach Russland und Indien, sondern auch zum Burj Khalifa in Dubai. Dabei begnügt sich Ethan Hunt nicht mit einer Sightseeing Rolle, sondern nimmt waghalsige Außen-Stunts am, mit über 800 Metern, weltgrößten Wolkenkratzer vor.
Obwohl Mission: Impossible - Phantom Protokoll mit 132 Minuten Länge ein durchaus abendfüllender Film ist, bietet er zu jedem Zeitpunkt kurzweilige Unterhaltung. Dieser Umstand ist dem Umstand geschuldet, dass er einerseits ein hohes Erzähltempo, sowie zahlreiche Actionsequenzen bietet. Die Produzenten haben dabei auf klassische Materialschlachten im James Bond-Stil verzichtet, sondern setzen auf Abwechslung wie z.B. der Verfolgsjagd in einem Sandsturm oder dem waghalsigen Free-Climbing Stunt am Burj Khalifa. Ein weiteres wichtiges Element stellen die minutiös geplanten Stealth-Missionen dar, bei denen die Zuschauer durch ausgefeilte Taktiken und High-Tech Gadgets beste Unterhaltung geboten bekommen.
Inhaltlich bleibt MI-4 hingegen recht blass. Dem Gegenspieler (gespielt von Mikael Nyqvist, den manche von der schwedischen Millenium Verfilmung kennen) fehlt es an charakterlicher Tiefe. Diesbezüglich bleibt Phantom Protokoll deutlich hinter seinem Vorgänger zurück, wo der hinterlistige und folternde Owen Davian (Philip Seymour Hoffman) für wesentlich mehr inhaltsbezogene Spannung gesorgt hat.

Wieder einmal zeigt sich: wo J.J. Abrams draufsteht, sind die blauen Lensflare-Effekte nicht weit entfernt. Doch jene visuellen Stilmittel sind deutlich dezenter im Film integriert, als dies noch beim letzten Star Trek Film oder Super 8 der Fall ist. Andererseits: ganz in der Tradition dieser beiden Produktionen, erweist sich auch MI4 als technisch herausragend umgesetzter Film. Ethan Hunt darf sich über eine knackscharfe Präsentation freuen, deren erste Einstellung (Kameraflug über die Dächer von Prag) nicht nur künstlerisch an Dark Knight erinnert, sondern auch beinahe an dessen fulminante Bildqualität anknüpft. Gotham City wird dabei aber mit einer höheren Schärfentiefe auf die Leinwand projeziert, doch in den vorderen Bildebenen sowie Nahaufnahmen befindet sich MI-4 fast auf einem fast identischen, herausragenden Niveau. Die generelle Farbgebung bedient sich einer größtenteils natürlichen Optik mit minimal reduziertem Kontrast. Einzelne dunkle Szenen fallen in Bezug auf die Detailzeichnung etwas ab; außerdem ist hier der Einsatz von Blau- und Gelbfiltern am besten erkennbar. Abgesehen von den referenzwürdigen Kameraflügen über Prag, Moskau und Dubai, begeisterte uns vor allem die Umsetzung des farbenprächtigen Nachtlebens im indischen Mumbai. Während Ethan Hunt seinen BMW i8 durch die überfüllten Straßen dirigiert, darf sich der Heimkinobesitzer über eine bestechend gute Farbdynamik, Detail- und Durchzeichnung erfreuen. Somit sichert sich MI-4 (hinter Dark Knight und Casino Royal) einen Champions League Platz in Bezug auf die 2D Blu-Ray Bildqualität.
In akustischer Hinsicht boten die bisherigen Mission Impossible Produktionen eher durchwachsene Leistungen - speziell unter Berücksichtigung der großen Unterschiede zwischen den deutschen und englischen Tonspuren. Der vierte Teil gibt sich diesbezüglich vorbildlich und knüpft auch in dieser Hinsicht an die exzellenten Leistungen der neuesten großen Paramount Produktionen (Super 8, Iron Man 2, Star Trek, Transformers 3) an. Die deutsche 7.1 Dolby True HD Tonspur schneidet in sämtlichen Aspekten hervorragend ab, bei dem der akustische Feinschliff stets den Vorrang gegenüber effekthascherischer Oberflächlichkeit erhält. Actionsequenzen fallen nicht durch aufgesetzte bidirektionale Effekte auf, sondern bieten dem Zuschauer exakt platzierte Schallereignisse mit extrem kohärenter Gesamtwirkung. Vorbildlich ist ebenfalls die erstklassige Umsetzung von dezenten, leisen Umgebungsgeräuschen, die z.B. beim Einbruch im Kreml dafür sorgen, dass selbst bei völliger, minutenlanger Abwesenheit prägnanter Effekte, absolute Hochspannung durch die realistische Akustik zum Auditorium transportiert wird. Die Qualität und Differenzierung der Sprache ist den Toningenieuren ebenfalls hervorragend geglückt. Sämtliche Dialoge bestechen durch eine exzellente Sprachverständlichkeit, Feinauflösung sowie Körperhaftigkeit - selbst die geflüsterten Passagen in den ruhigen Szenen werden eindringlich und emotional auf den Centerspeaker gegeben. Lediglich das letzte Quentchen Dynamik in laut gesprochenen/geschrieenen Passagen würden wir noch als Verbesserungsvorschlag einbringen. In Anbetracht der Gesamtakustik ist dies jedoch in Windeseile vergessen, da MI-4 neben einer tieffrequenten und präzisen Subwooferansteuerung ganz besonders durch die extrem intensive Nutzung der Surroundback-Kanäle begeistert. Kein anderer Film versteht es besser, ein derart tiefes Surroundpanorama über die hinteren Lautsprecher mit einer derartig sinnvollen und vorteilhaften Effektintegration aufzuspannen. Alleine dafür hat sich MI-4 die Bestnote verdient und gehört zu den absoluten Referenztiteln in Bezug auf eine gesamtheitlich ausgewogene Akustik.
Mission: Impossible - Phantom Protokoll schmeißt überflüssige Liebesgeschichten über Bord, reduziert die Handlung auf das Minimum und setzt dafür auf eine durchgestylte Optik inklusive einem lässig in Szene gesetzten Tom Cruise, der von einer attraktiv umgesetzten Actionsszene zur nächsten eilt. Dabei werden Bildwiedergabegeräte und Lautsprecher gleichermaßen zu Bestleistungen angespornt - technisch versierte Actionliebhaber dürften ihre helle Freude mit diesem Film haben.
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